Einlass-Stopp im Freibad: Grüne sehen sich bestätigt – Stadt hatte Auslastungsampel abgelehnt

Recklinghausen, 24. Juni 2026. Während sich am Mittwoch bei sommerlichen Temperaturen die Besucherinnen und Besucher in den Recklinghäuser Freibädern drängten, musste die Stadt um 16.45 Uhr per WhatsApp-Messenger Alarm schlagen: Das Naturfreibad Suderwich hatte seine Kapazitätsgrenze erreicht und verhängte einen Einlass-Stopp.

Auch am Freibad Mollbeck bildeten sich lange Schlangen an den Kassen, ein Einlass-Stopp war hier nicht ausgeschlossen. Das Freibad Recklinghausen-Süd steht wegen Umbaus derzeit ohnehin nicht zur Verfügung – der Andrang konzentriert sich damit auf die verbliebenen Bäder.

Für die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen ist das ein Lehrstück mit bitterem Beigeschmack. Denn genau für solche Situationen hatte die Fraktion bereits im November 2024 eine sogenannte Auslastungsampel beantragt: eine gut sichtbare Online-Anzeige auf der städtischen Homepage, die Besucherinnen und Besuchern schon vor der Anreise zeigt, wie voll die Bäder gerade sind. Ziel war ein konkreter Service für die Bürgerinnen und Bürger – damit niemand bei Hitze umsonst mit Kind und Kegel zum Freibad fährt und dann vor verschlossenen Toren steht.

Stadt sah „bislang keinen konkreten Bedarf“

Die Stadtverwaltung lehnte den Vorschlag ab (Drucksache 0721-3/2024). In ihrer Begründung hieß es unter anderem, in den vergangenen Jahren sei in keinem städtischen Bad eine Situation verzeichnet worden, in der Gäste wegen Überfüllung hätten abgewiesen werden müssen; auch an besonders heißen Tagen seien die Kapazitäten stets ausreichend gewesen. Eine zusätzliche digitale Steuerung sei „aus praktischer Sicht nicht erforderlich“, da sich „bislang kein konkreter Bedarf“ gezeigt habe und „keine Überlastungssituationen“ aufgetreten seien. Der Sportausschuss nahm diese Begründung zur Nichteinführung am 4. Dezember 2025 lediglich zur Kenntnis.

Knapp ein halbes Jahr später widerlegt die Realität diese Einschätzung – und die Stadt muss ausgerechnet über einen kurzfristig versendeten Messenger-Hinweis genau das organisieren, was eine Auslastungsampel planbar und transparent geleistet hätte.

„Die Verwaltung hat unseren Antrag mit dem Argument abgelehnt, es gebe in unseren Bädern keine Überlastung. Ein gutes halbes Jahr später verschickt dieselbe Stadt eine Warnung per WhatsApp, weil das Naturfreibad Suderwich seine Kapazitätsgrenze erreicht hat“, erklärt Thorben Terwort, sportpolitischer Sprecher der Grünen Ratsfraktion. „Das ist exakt die Situation, für die wir die Auslastungsampel wollten – als verlässlichen Service für die Bürgerinnen und Bürger, damit niemand vergeblich anreist. Es ist enttäuschend, dass die Stadt erst zu einer improvisierten Messenger-Meldung greifen muss, um zu leisten, was eine durchdachte digitale Lösung dauerhaft und planbar hätte bieten können. Eine Ampel hätte den Hinweis nicht erst dann gegeben, wenn die Schlange schon vor dem Eingang steht.“