Streckensperrung durch die Deutsche Bahn

Volker steht vor dem Eingang des Hauptbahnhofes Recklinghausen

Sanierung ist notwendig – Belastung der Fahrgäste muss so gering wie möglich bleiben

Die Deutsche Bahn modernisiert ihre Infrastruktur in Recklinghausen. Dass Investitionen in die über Jahre vernachlässigte Schieneninfrastruktur notwendig sind, steht für uns außer Frage. Gleichzeitig müssen bei monatelangen Streckensperrungen die Belastungen für die Fahrgäste – insbesondere für Pendlerinnen und Pendler – so gering wie möglich gehalten werden.

Unser Fraktionsvorsitzender Volker Schäper-Beckenbach kritisiert deshalb sowohl die bisherige Kommunikation als auch den Umgang mit möglichen Alternativen zum Schienenersatzverkehr.

„Die schwarze Null der damaligen CDU-geführten CDU/CSU-SPD-Bundesregierungen hat ihren Infrastrukturtribut auch in Recklinghausen hinterlassen. Somit steht außer Frage, dass die Deutsche Bahn AG ihre Infrastruktur dringend modernisieren muss. Dass dies jetzt in Recklinghausen passieren soll, begrüßen wir außerordentlich. Aber bei monatelangen Streckensperrungen muss genauso darauf geachtet werden, die Belastungen für die Fahrgäste, insbesondere für Pendlerinnen und Pendler, so gering wie möglich zu halten.“

Mögliche Alternativen müssen ernsthaft geprüft werden

Das geplante Maßnahmenpaket wurde am 10. September im Ausschuss für Verkehr, Mobilität und Tiefbau vorgestellt. Aus unserer Sicht ist allerdings weiterhin offen, ob alle Möglichkeiten zur Entlastung der Fahrgäste ausreichend geprüft wurden.

Bei der Vorstellung im Ausschuss entstand für uns der Eindruck, dass mögliche Alternativen zum klassischen Schienenersatzverkehr weder ausreichend berücksichtigt noch ernsthaft in Erwägung gezogen wurden. So schien beispielsweise eine mögliche Anbindung über die von der Baumaßnahme nicht betroffene Hamm-Osterfelder-Bahn zum ehemaligen Bahnhof Recklinghausen-Ost, dessen Bahnsteig noch vorhanden ist, bei den Vertretern der Bahn nicht bekannt zu sein oder nicht in Betracht gezogen zu werden.

Pauschale Schienenersatzverkehrsangebote sind aus unserer Sicht jedenfalls keine ausreichende Antwort auf eine monatelange Streckensperrung. Wir wollen deshalb, dass alle tatsächlich möglichen Alternativen geprüft und die bestmöglichen Angebote für die Fahrgäste geschaffen werden.

Haltepunkt an der Herner Straße könnte Perspektive für kommende Baustellen sein

Auch der von uns seit Langem geforderte Haltepunkt der S9 an der Herner Straße spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Der Haltepunkt ist auch im beschlossenen Mobilitätsentwicklungskonzept (MEK) benannt.

Für künftig geplante, länger andauernde Baumaßnahmen könnte ein solcher Haltepunkt eine wichtige Übergangslösung darstellen. Für viele Fahrgäste würde dadurch eine zusätzliche Möglichkeit geschaffen, trotz Einschränkungen im Bahnverkehr ihr Ziel zu erreichen. Wenn solche Möglichkeiten bestehen, müssen sie aus unserer Sicht auch geprüft werden. Die Planung von Baumaßnahmen darf sich nicht allein daran orientieren, wie Bauarbeiten am einfachsten gebündelt werden können. Entscheidend muss ebenso sein, wie die Auswirkungen auf die Fahrgäste möglichst gering gehalten werden können.

Fahrgäste müssen frühzeitig informiert werden

Kritisch sehen wir außerdem die bisherige Kommunikation. Die konkreten Planungen wurden erst am 6. Oktober durch die RZ öffentlich bekannt gemacht, obwohl die Sperrung bereits im Februar 2027 beginnen und bis Mai 2027 andauern soll.

Viele Fragen zu möglichen Alternativen sollen erst bei einer voraussichtlich im November stattfindenden Bürgerinformation beantwortet werden. Das ist aus unserer Sicht zu spät. Wer die Verkehrswende will, muss die Menschen, die auf Bus und Bahn angewiesen sind, bei solchen Großbaustellen frühzeitig mitnehmen. Dazu gehört eine rechtzeitige, transparente Information ebenso wie eine ernsthafte Prüfung von Alternativen.

Volker Schäper-Beckenbach fasst unsere Position zusammen:

„Sanierung ist notwendig – aber sie darf nicht dazu führen, dass diejenigen, die auf die Bahn angewiesen sind, über Monate mit den Folgen allein gelassen werden.“

Barrierefreiheit am Bahnhof RE-Süd darf nicht bis 2032 warten

Nicht nur die Kommunikation rund um die Streckensperrung gibt Anlass zur Kritik. Auch beim Bahnübergang Hochlarmarkstraße und der Barrierefreiheit am Bahnhof Recklinghausen-Süd sehen wir dringenden Handlungsbedarf.

Der Umbau des Bahnübergangs Hochlarmarkstraße ist inzwischen weit in die Mitte bis Ende der 2030er-Jahre verschoben worden. Dass die voraussichtlich mehrere Millionen Euro teure Untertunnelung damit zunächst in weite Ferne gerückt ist, begrüßen wir grundsätzlich.

Umso weniger nachvollziehbar ist für uns, dass die Herstellung der Barrierefreiheit am Bahnhof Recklinghausen-Süd erst für 2032 vorgesehen ist. Aus unserer Sicht könnte eine Rampe von der Ostseite des Bahnübergangs kurzfristig und ohne Einschränkung des Bahnverkehrs hergestellt werden. Dafür könnte die vorhandene Treppenanlage durch eine entsprechende Rampe ersetzt werden.

Eine solche Lösung würde nicht nur die Barrierefreiheit verbessern. Sie könnte zugleich eine kostengünstige Verbindung und eine bessere Erreichbarkeit bei geschlossener Schranke schaffen – für Fahrgäste ebenso wie für Fußgängerinnen, Fußgänger und Radfahrende.

Wir fordern eine Neubewertung

Wir fordern die Deutsche Bahn deshalb auf, die geplante Maßnahme im Sinne der Fahrgäste neu zu bewerten und die Dringlichkeit einer zeitnahen Lösung zu erkennen.

Für uns gilt: Investitionen in die Schieneninfrastruktur sind notwendig und überfällig. Gleichzeitig müssen Planung und Umsetzung die Interessen der Menschen berücksichtigen, die täglich auf den öffentlichen Verkehr angewiesen sind.

Sanierung und Verkehrswende dürfen nicht gegen die Fahrgäste organisiert werden. Sie müssen für die Menschen funktionieren.

Weitere Informationen
Artikel in der Recklinghäuser Zeitung (hinter Bezahlschranke)
Sitzung des Ausschusses für Verkehr, Mobilität und Tiefbau am 10.09.2026