Bleibt die Kultur in Recklinghausen auf der Strecke?

Ein Kommentar unserer kulturpolitischen Sprecherin Christa Schenk:

Nachdem in diesem Jahr das Hafenfest in Recklinghausen Süd abgesagt wurde, und auch die „Nacht der Industriekultur“ ohne Recklinghausen stattfindet, fragten sich nicht nur die RZ, sondern auch wir als Grüne-Fraktion, ob sich die Kulturszene in Recklinghausen langsam davonschleicht. Die Insolvenz der Eventfirma für das Hafenfest war längst bekannt, aber leider hat die Stadt es darauf ankommen lassen. Man hätte zumindest die Absage früher ankündigen können. Das war keine elegante Lösung.

„Wenn Kultur ihren Stellenwert verliert, bringt sie die Menschen nicht mehr zusammen. Was in unserer
Zeit wichtiger ist, denn je.“

Christa Schenk, kulturpolitische Sprecherin

Foto: Kim Hüsing

Warum sich Recklinghausen von der „Nacht der Industriekultur“ ausschließt, ist noch ärgerlicher, da hier doch der Sinn das Zusammenwachsen unserer ehemaligen Bergbauregion ist – und dies gefördert gehört. Sehr schade, das ist für Recklinghausen eine Blamage.

Wenn Kultur ihren Stellenwert verliert, bringt sie die Menschen nicht mehr zusammen. Was in unserer jetzigen Zeit wichtiger ist, denn je.

Sicher, wir können uns rühmen mit den Ruhrfestspielen und wir haben es sogar geschafft, dass das Festspielhaus saniert wird. Wir haben das Philharmonie-Orchester, wir haben gute Einrichtungen wie die Stadtbücherei, die Volkshochschule und die Musikschule. Wir haben die Sternwarte, das Institut für Stadtgeschichte und natürlich das Ikonenmuseum…

 Wir müssen sehr aufpassen, dass all unsere Schätze in Recklinghausen nicht eines Tages als Beiwerk angesehen werden, die nicht unbedingt erforderlich sind.

Aus Kultur kann Kunst entstehen. Bisher haben wir in Recklinghausen freien Künstlern Raum gegeben, sich und ihre Werke zu präsentieren: die Altstadtschmiede, das Atelierhaus…

Aber warum wird ausgerechnet die freie Kunstszene immer wieder attackiert? Warum beschädigt man das Atelierhaus? Wer mit der dort produzierten Kunst nichts anfangen kann, der kann doch einfach einen Bogen darum machen. Warum ist manchen Leuten die Altstadtschmiede ein Dorn im Auge? Werden anhand von Kunst und Events an diesen Orten nicht doch Wahrheiten offenbart, die manche unserer Mitmenschen nicht hören oder sehen wollen?

Schützen wir alle diese Austauschstätten von Kultur und Kunst und fragen wir nach, wer verantwortlich dafür ist, dass etwas nicht stattfindet oder gar zerstört wird.