„Unsere Städte sind für diese hohen Temperaturen nicht gebaut“: Wir fordern ein Hitzeschutzkonzept für Recklinghausen

Der Juni hat Recklinghausen Rekordtemperaturen bis 42,1 Grad Celsius beschert. Die Hitze setzt vielen Menschen zu, bundesweit wurden vom Robert-Koch-Institut über 5000 Hitzetote innerhalb von zwei Wochen geschätzt. „Die Auswirkungen der Hitze sind dramatisch“, sagt Maya Sommer, unsere umweltpolitische Sprecherin. „Unsere Körper sind für diese Temperaturen nicht gebaut – und unsere Städte auch nicht.“

Deshalb setzen wir uns für einen städtischen Hitzeaktionsplan in Recklinghausen ein. „Wir fordern entsprechende Schutzkonzepte, die auch beworben werden müssen“, so Maya Sommer. Betroffen von der Hitze sind insbesondere vulnerable Gruppen, das heißt Senioren, Schwangere, Kleinkinder, Menschen mit Erkrankungen und Wohnungslose.

Orientieren könnte sich die Stadt am Hitzeschutzplan der friesischen Stadt Jever. Dort wurde 2024 ein Flyer herausgegeben, der Trinkwasserbrunnen, schattige Plätze sowie praktische Alltagstipps zusammenfasst. Einen solchen Flyer möchten wir um eine digitale Karte ergänzen, die stetig weiterentwickelt wird. Ähnliches gibt es auch von der Stadt Dortmund (Hitze und Gesundheit | dortmund.de).

„Wir haben fünf Trinkwasserbrunnen im Stadtgebiet. Es gibt Grünflächen und Geschäfte, die als Refill-Stationen gemeldet sind, in denen die Trinkflasche kostenfrei aufgefüllt wird. Wasserflächen sowie eingerichtete Still- und Abkühlungsorte ergänzen das bisherige Angebot“, sagt Sommer. Es wäre nur viel zu wenig bekannt.

„Zum Hitzeschutz gehören auch bauliche Veränderungen. Begrünte Fassaden, viele Bäume und die Entsiegelung von Flächen muss immer mitgedacht werden, um unsere Stadt auf das sich verändernde Klima anzupassen.“

Die Aktionsgemeinschaft „Hitzeschutz Recklinghausen“ und ein Pilotprojekt des Seniorenbeirats zum Hitzeschutz für alleinstehende Senior*innen sind ein guter Anfang. Doch es muss weitergehen. „Wir brauchen kühle Orte, mehr kostenfreies Trinkwasser und eine Stadt, die sich auf die steigenden Temperaturen einstellt.“

Wir begrüßen sehr, dass Recklinghausen im HAP.regio-Projekt für die Hitzeaktionsplanung in der Emscherregion aktiv mitwirkt. Hier ist ein kreisweiter Hitzeaktionsplan bis zum Ende der Projektlaufzeit im April 2027 vorgesehen. Dieser sollte jedoch mit den konkreten Flächen und Angeboten der Stadt Recklinghausen komplettiert werden. „Wir brauchen Hitzeschutz vor Ort – und das heute“, betont unsere umweltpolitische Sprecherin. (kim)

Weitere Informationen:
Hitzeschutz in Jever
Hitzeaktionsplan Dortmund
Gemeinsame Hitzeaktionsplanung in der Emscher Region