Durch den verheerenden Brand in einer städtischen Übernachtungsstätte an der Herner Straße wird noch einmal deutlich, wie schlecht es um die Unterkunftssituation für Wohnungslose in Recklinghausen bestellt ist. „Es fehlt an Unterbringungsmöglichkeiten, Hitze- und Kälteschutz und einem speziellen Ort für wohnungslose Frauen“, sagt Christa Siemsen, sozialpolitische Sprecherin der Grünen Recklinghausen.
Schon vor dem Brand hatten die Grünen vermehrt darauf hingewiesen, dass für Wohnungslose mehr getan werden muss. „Gerade die Hitzetage haben gezeigt, wie wichtig geschützte Räume sind. In Recklinghausen gibt es weder eine funktionierende Hitze- noch eine Kältehilfe für obdachlose Menschen“, so die Sprecherin.
Frauen benötigen einen besonderen Schutzraum
Der Verlust der Unterkunft an der Herner Straße verschärft die ohnehin angespannte Lage zusätzlich. Zwar wurde von der Stadt eine Übergangslösung für die Bewohner*innen gefunden, doch muss eine dauerhafte Lösung her. Denn erst vor Kurzem wurde bekannt, dass die Tiefgaragen am Busbahnhof/Hauptbahnhof und an der Augustinessenstraße künftig auch nicht mehr als Schutzraum für obdachlose Menschen zugänglich sein sollen. Die Tiefgaragen erhalten neue Zugangssysteme mit einer Kennzeichenerkennung. Diese technische Neuerung soll für mehr Sicherheit und Komfort für Parkende sorgen.
Insbesondere für Frauen bedeutet das Leben auf der Straße ein erheblich höheres Risiko für Gewalt, Übergriffe und sexualisierte Ausbeutung. Erst kürzlich berichtete die regionale Presse über den Missbrauch einer obdachlosen Frau – ein weiterer Hinweis darauf, wie dringend geschützte Räume benötigt werden. Eine Frauenunterkunft wäre für viele Betroffene der sicherste und angemessenste Ort.
„Der Brand sollte ein Weckruf sein: Die Stadt braucht jetzt zusätzliche und sichere Unterkünfte für wohnungslose Menschen – nicht irgendwann, sondern sofort.“
Christa Siemsen, sozialpolitische Sprecherin
Foto: Kamala Kirschner

Während der Regierungsarbeit hatten die Grünen gemeinsam mit der CDU einen 10-Punkte-Plan gegen Obdachlosigkeit beschlossen. Dieser sah sowohl die Ausweitung der Notschlafstellen insgesamt als auch die Einrichtung spezialisierter Frauenunterkünfte vor. „Viele der Punkte wurden leider noch immer nicht umgesetzt“, bedauert Christa Siemsen. „Der Brand sollte ein Weckruf sein: Die Stadt braucht jetzt zusätzliche und sichere Unterkünfte für wohnungslose Menschen – nicht irgendwann, sondern sofort.“
Neben der Aufarbeitung der Brandursache sollten deshalb umgehend Maßnahmen ergriffen werden, um den Wohnungslosen Alternativen anbieten zu können, ohne die Unterkünfte für andere vulnerable Gruppen wie beispielsweise Geflüchtete zu begrenzen.