Mit einer umfassenden Anfrage zur Versorgungslage in der Kindertagesbetreuung bringen wir Grüne in der kommenden Ratssitzung ein weiteres zentrales Thema auf die Tagesordnung. Ergänzend zu unserem Antrag, die zweite Einkommensstufe bei den Elternbeiträgen beitragsfrei zu stellen, möchten wir nun detailliert klären lassen, wie sich der tatsächliche Bedarf an U3‑ und Ü3‑Betreuungsplätzen in Recklinghausen entwickelt – und wie viele Kinder trotz Rechtsanspruchs weiterhin keinen Platz erhalten.
Fehlende Plätze trotz guter Ausbauquote – Bedarfsmeldungen sind entscheidend
Recklinghausen ist im NRW‑Vergleich zwar relativ gut mit Kita‑Plätzen ausgestattet, dennoch zeigt der aktuelle Kita‑Bedarfsplan deutliche Lücken: Für 2023 fehlten rechnerisch 145 U3‑ und 337 Ü3‑Plätze. Für 2025 werden sogar Fehlbedarfe von bis zu 248 U3‑ und 758 Ü3‑Plätzen prognostiziert. Wir betonen, dass die reine Zahl der anspruchsberechtigten Kinder wenig über die tatsächliche Versorgung aussagt. Entscheidend sind die Bedarfsmeldungen der Eltern – also der Familien, die aktiv einen Betreuungsplatz suchen.
Unsere Anfrage: Wie viele Kinder bleiben trotz Rechtsanspruch unversorgt?
In unserer Anfrage an Bürgermeister Tschersich möchten wir unter anderem klären:
- wie viele Kinder im Kitajahr 2025/26 anspruchsberechtigt sind,
- wie viele tatsächliche Bedarfsmeldungen vorliegen,
- wie viele Kinder keinen Platz erhalten haben,
- wie sich die Plätze auf Kitas und Kindertagespflege verteilen
- wie viele Bedarfe bereits aus früheren Jahren bestehen,
- ob bestimmte Gruppen – etwa bildungsbenachteiligte oder zugewanderte Familien – systematisch schlechtere Chancen haben,
- und wie häufig Eltern ihren Rechtsanspruch gerichtlich durchsetzen mussten.
Aktuelle Studien des Deutschen Jugendinstituts zeigen, dass besonders sozial benachteiligte Familien im U3‑Bereich häufig schlechter versorgt sind. Wir wollen wissen, ob dies auch in Recklinghausen der Fall ist.
Fachkräftemangel verschärft die Lage
Ein weiterer Schwerpunkt unserer Anfrage betrifft die Auswirkungen des Personalmangels. Laut einer WSI‑Studie waren bundesweit 54 % der Eltern im Herbst 2024 von verkürzten Öffnungszeiten oder Schließungen betroffen.
Wir möchten daher wissen:
- in wie vielen Recklinghäuser Einrichtungen Betreuungszeiten gekürzt wurden,
- wie viele temporäre Schließungen es gab,
- und wie viele Schließtage insgesamt angefallen sind.
„Wir brauchen eine ehrliche Bestandsaufnahme“
Für uns ist klar: Eine verlässliche, bedarfsgerechte und wohnortnahe Kinderbetreuung ist entscheidend – für die frühkindliche Entwicklung, für die Gleichstellung am Arbeitsmarkt und für die wirtschaftliche Zukunft unserer Stadt.
Wir brauchen eine transparente Darstellung der aktuellen Lage, um verantwortungsvoll planen zu können – kurzfristig zur Deckung der Bedarfe und langfristig mit Blick auf den demografischen Wandel.